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"Irritierend und unangebracht": Kritik an Nutznießer-Äußerung des Bundeskanzlers

Als „irritierend und unangebracht“ kritisiert Lars Rettstadt, 1. Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, die Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz, der Beschäftigte des Gesundheitswesens im Rahmen einer RTL-Sendung am vergangenen Donnerstag (27. August) als „Nutznießer“ des Gesundheitssystems bezeichnet hatte. „Diese Aussage hat in den hausärztlichen Praxen in Westfalen-Lippe für Empörung gesorgt“, so Rettstadt. „Ein Nutznießer ist per Definition des Dudens jemand, der einen Vorteil aus etwas zieht, was ein anderer erarbeitet hat. Eine Art Schmarotzer also. Diesen Begriff ausgerechnet in Zusammenhang mit den Beschäftigten im Gesundheitswesen zu verwenden, lässt jede Form der Wertschätzung für unsere Arbeit vermissen.“

Eine wohnortnahe medizinische Versorgung der Menschen sei nur deshalb noch existent, weil die Hausärztinnen und Hausärzte mit ihren Teams diese trotz immer weniger personeller Ressourcen und trotz sinkender Einkommen weiterhin aufrechterhielten. „Dieses Gesundheitssystem gibt es nur noch, weil sich viele Praxisinhaberinnen und -inhaber selbst ausbeuten. Das ist das Gegenteil von Nutznießertum, das ist in vielen Fällen Aufopferung“, betont Rettstadt.

"Wir brauchen keine Beleidigungen, sondern Wertschätzung, klare Bekenntnisse und Handlungen der Politik!"

„Die hausärztlichen Praxisteams sind das Fundament der ambulanten Versorgung, wir stemmen sie und kümmern uns vor Ort. Bemerkungen wie die des Bundeskanzlers dienen nicht dazu, ebendiese Praxisteams zu motivieren. Ebenso wenig wie die schmerzhaften Einschnitte, die uns das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschert. Man kann nicht auf der einen Seite der hausärztlichen Versorgung Geld entziehen, wenn doch auf der anderen Seite klar ist, dass genau in diesem Bereich in Zukunft noch mehr Patientinnen und Patienten versorgt werden sollen und müssen, im Zuge eines verpflichtenden und flächendeckenden hausärztlichen Primärversorgungssystems“, betont Rettstadt. „Damit das gelingt brauchen wir keine Beleidigungen, wir brauchen eine Wertschätzung im kommunikativen Umgang, klare Bekenntnisse und entsprechende Handlungen der Politik für eine starke hausärztliche Versorgung!“

Zum Pressestatement des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe