Bundesdelegierte beim Hausärztinnen- und Hausärztetag in Berlin
Grundlegende gesundheitspolitische Weichenstellungen und intensive Diskussionen über die Zukunft der hausärztlichen Versorgung standen im Mittelpunkt des Hausärztinnen- und Hausärztetages, der am 18. und 19. September in Berlin stattfand.
Die Delegierten des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, darunter auch eine Delegation des Landesverbandes Westfalen-Lippe, verabschiedeten im Rahmen der Bundesdelegiertenversammlung wichtige Anträge.
Ausbau der HZV
Ein zentrales Thema war die Einführung eines verbindlichen Primärarztsystems. Die Delegierten betonten, dass die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) mit über zehn Millionen Versicherten – eine Million davon allein in Westfalen-Lippe – der Goldstandard für eine koordinierte, patientenzentrierte Versorgung sei. Die Bundesregierung soll die HZV weiter ausbauen und den Koalitionsvertrag konsequent umsetzen. Auch in der Notfall- und Akutversorgung soll die hausärztliche Steuerung gestärkt werden. Facharzttermine sollen bevorzugt über Hausärztinnen und Hausärzte vermittelt werden. Bundesweite Hausarzt-Facharzt-Verträge und gezielte Förderung durch Krankenkassen wurden ebenfalls gefordert.
GKV-Finanzierung und Demografie
Die Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier warnten vor der angespannten Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung und den Auswirkungen des demografischen Wandels. Sie forderten grundlegende Reformen und betonten, dass eine starke hausärztliche Versorgung auch demokratiestabilisierend wirke.
Förderung innovativer Modelle
Für die Zukunftsfähigkeit der Versorgung forderten die Bundesdelegierten mehr Fachkräfte, neue Qualifikationswege und erweiterte Delegationsstrukturen. Innovative Modelle wie das HÄPPI-Konzept sollten finanziell gefördert werden. Die bundesweite Empfehlung zur Medikamentenverordnung in Heimen soll Bürokratie abbauen und Sicherheit erhöhen.
Weniger Bürokratie, faire Vergütung
Die vollständige Vergütung aller hausärztlichen Leistungen und eine Reform der Vorhaltepauschale wurden eingefordert. Bürokratieabbau, etwa durch digitale Prüfverfahren und Abschaffung von Regressen bei Arzneimitteln, soll die Praxen entlasten. Die Freiberuflichkeit wurde als unverzichtbar für eine unabhängige Versorgung betont, renditeorientierte MVZ hingegen abgelehnt.
Praxisnahe Digitalisierung
Die Digitalisierung müsse sich an der Versorgungspraxis orientieren. Gefordert wurden ein HZV-Kennzeichen in Versichertendaten, eine stabile Telematikinfrastruktur, praxistaugliche ePA-Entwicklung und konkrete Verbesserungen wie Ersatzdokumente bei Kartenverlust oder die Einbindung strukturierter Laborbefunde.
Klima und Gesundheit
Die Delegierten befürworteten Maßnahmen wie die klimabewusste Verordnung von Inhalativa, die Einführung einer Zuckersteuer sowie ein Werbeverbot für zuckerhaltige Produkte. Die nachhaltige Wundversorgung soll auch nach 2025 durch klare Regeln sichergestellt werden.
Weitere Informationen zum Hausärztinnen- und Hausärztetag in Berlin

Eine Delegation aus Westfalen-Lippe war in Berlin vor Ort, um im Rahmen der Bundesdelegiertenversammlung mitzudiskutieren und die berufspolitischen Weichen mit zu stellen. (Foto: HÄVWL)